Streitschlichtung

Anders streiten lernen

Konzept

Bei der Streitschlichtung helfen ausgebildete Streitschlichter/innen den beiden Konfliktparteien, eine Lösung zu finden, bei der beide Gewinner sind. Das bedeutet, es wird niemandem die Schuld zugewiesen und wie in einem Gericht geurteilt. Die Streitschlichter setzen sich für beide Kontrahenten gleich stark ein (→Allparteilichkeit) und behalten alles für sich (→Vertraulichkeit).

Was ist Streitschlichtung?

In der Streitschlichtung (manchmal finden Sie auch den englischen Begriff “Mediation“) geht man davon aus, dass die “Kontrahenten/Kontrahentinnen“ in der Lage sind, eigenverantwortlich ihre Konflikte zu lösen. Der/die Streitschlichter/in hat deshalb auch eine ganz andere Aufgabe als ein Richter. Es geht nicht darum herauszufinden, wer “die Wahrheit“ sagt, oder wer angefangen hat oder ob ein Tritt vors Schienbein schlimmer ist als ein Schlag gegen die Schulter. Ziel der Schlichtung ist, dass jeder Verantwortung für sein Handeln übernimmt, für die Gefühle und Empfindungen des Kontrahenten/der Kontrahentin sensibilisiert wird und nach einer konstruktiven Lösung sucht.

Die Rolle des Streitschlichters/der Streitschlichterin

Bei einem Schlichtungsgespräch „führt“ der/die Streitschlichter/in (oder Mediator/in) die Kontrahenten/innen durch ein klar strukturiertes Gespräch. Er/ sie hilft ihnen, die Gesprächsregeln einzuhalten und gibt die einzelnen Schritte vor. Ein Streitschlichter/in ist gleichermaßen für beide Parteien da (“Allparteilichkeit“) und behandelt das Gespräch absolut vertraulich (“Schweigepflicht“). Er/sie fragt auch ab, ob beide Parteien sich auf das Schlichtungsgespräch einlassen wollen (“Freiwilligkeit“).

Wer kommt zur Streitschlichtung?

Zur Streitschlichtung kommen häufig Schülerinnen und Schülern der Klasse 5 und 6, oft werden sie von ihren Klassenlehrern auf diese Möglichkeit hingewiesen. Meistens sind es zwei bis drei Kinder.

Wir führen aber auch Schlichtungen in größeren Gruppen durch, meistens schlichtet dann die als Streitschlichterin ausgebildete Lehrerin mit einem Schüler/ einer Schülerin gemeinsam.

(Weitere Informationen zur Mediation und dem Konzept, nach dem wir unsere Schüler/innen ausbilden, findet man unter:

Das Bensberger Mediationsmodell

So läuft ein Schlichtungsgespräch ab

Die Schlichtungsgespräche laufen nach Terminabsprache in unserem Schlichtungsraum ab.

Zunächst schildern die Kontrahenten/innen den Streit aus ihrer Sicht, dann werden über die Empfindungen und Gefühle in dieser Situation gesprochen und die eigenen Anteile bei diesem Streit benannt. Danach findet ein Rollenwechsel statt, bei dem jeder versucht, sich in den anderen hineinzuversetzen.

Nach dem “Rücktausch“ überlegen die Kontrahenten/innen, was sie von dem anderen/der anderen erwarten, damit der Streit geklärt wird, und was sie selber bereit sind dafür zu tun. Diese Vorschläge schreiben sie in aller Ruhe auf Karten auf und lesen sie sich anschließend gegenseitig vor.

Meistens ergänzen sich die Erwartungen und Bereitschaften, ansonsten gelingt es fast immer im Gespräch den Rest zu klären.

Diese Vereinbarungen und der Vorfall werden in einem Vertrag festgehalten. Ebenso wird ein Nachtreffen vereinbart, um zu überprüfen, ob die Vereinbarung gehalten hat oder ob noch weitere Gespräche nötig sind.

Ausbildung

Unsere Schüler/innen werden von der ausgebildeten Schulmediatorin Frau Möhle in der 9. Klasse ausgebildet. Sie erhalten in diesem Jahr die Grundausbildung, um ab Klasse 10 eigenständig Schlichtungen durchzuführen. Dafür wählen sie im AG-Band das Fach Streitschlichtung.